BaFin-Umfrage: Immobilienkredite werden für viele zur finanziellen Herausforderung

Quelle: Oleksandr Pidvalnyi | pixabay

Laut einer aktuellen BaFin-Umfrage wird die Immobilienfinanzierung für viele zur finanziellen Herausforderung: Mehr als die Hälfte der Befragten hat Schwierigkeiten, die entsprechenden Kreditraten zu bezahlen.

Rund vier von fünf Personen, die eine Immobilienfinanzierung suchen, setzen auf professionelle Beratung. Allerdings kämpft ein erheblicher Teil der Kreditnehmerinnen und -nehmer trotzdem mit finanziellen Engpässen und Unsicherheiten, insbesondere bei Anschlussfinanzierungen und der allgemeinen Kreditbelastung.

Laut der Umfrage haben 81 % der Befragten, die zu diesem Zeitpunkt eine Immobilienfinanzierung suchten, eine professionelle Beratung in Anspruch genommen – sei es bei einer Bank, Sparkasse,Versicherung, einem Kreditvermittler oder einer Bausparkasse. 88 % der Befragten gaben an, sich gut über die Risiken der Finanzierung aufgeklärt zu fühlen. So wurde in den Gesprächen fast immer genau durchgerechnet, welche Kreditrate zur persönlichen Lebenssituation passt. Dennoch bleibt ein Kritikpunkt: Mehr als jede zehnte Person fühlte sich nicht ausreichend informiert, was potenzielle Risiken angeht.

Zahlreiche Kreditabsagen bei wenig Eigenkapital

70 % derjenigen, die eine Immobilienfinanzierung suchten, haben eine oder mehrere Konditionsanfragen oder Kreditanträge gestellt. Knapp ein Drittel von ihnen berichteten von mindestens einer Kreditablehnung. Bei Anschlussfinanzierungen lag die Ablehnungsquote bei 22 %. Die häufigsten Gründe für eine Ablehnung waren fehlendes Eigenkapital und ein zu geringes Einkommen, gefolgt von Rückbuchungen auf Kontoauszügen, überzogenen Dispokrediten und negativen Schufa-Einträgen.

Finanzielle Engpässe belasten viele Kreditnehmende

Besonders alarmierend ist, dass mehr als die Hälfte der Kreditnehmerinnen und -nehmer Schwierigkeiten hat, die monatliche Kreditrate und Lebenshaltungskosten aus dem laufenden Einkommen zu bestreiten. Viele greifen in solchen Fällen auf Ersparnisse zurück, verschieben geplante Ausgaben oder nehmen zusätzliche Jobs an. Etwa die Hälfte der Befragten mit finanziellen Engpässen musste kurzfristige Kredite in Anspruch nehmen, was das Risiko einer Schuldenspirale birgt.

Quelle: BaFin

44 % der Befragten finanzieren ihren Kredit gemeinsam, 56 % allein. Durchschnittlich geben alle befragten Kreditnehmenden 767 Euro für ihre monatliche Rate aus. Frauen, die ihren Immobilienkredit allein finanzieren, sind häufiger stärker belastet als Männer: Jede fünfte Frau gibt mehr als 40 % ihres Nettoeinkommens für die Kreditrückzahlung aus, bei Männern trifft dies nur auf etwa jeden zehnten zu. Geschlechtsunabhängig verbleiben den Befragten abzüglich der Kreditrate im Schnitt 823 Euro ihres Nettoeinkommens.

Hohe Nachfrage nach Anschlussfinanzierungen

Etwa die Hälfte der Befragten mit einem laufenden Immobilienkredit wird eine Anschlussfinanzierung benötigen, um die Restschuld zu begleichen. Für 40 % von ihnen steht diese bereits in den Jahren 2025 oder 2026 an. Sollte das aktuelle Zinsniveau bis dahin nicht sinken, könnten viele Haushalte mit spürbar höheren Kreditraten konfrontiert werden.

Tipps zur Vermeidung von Zahlungsschwierigkeiten

Christian Bock, Verbraucherschutzbeauftragter der BaFin, rät Kreditnehmerinnen und -nehmern, bei Problemen mit der Ratenzahlung professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Besonders bei drohender Überschuldung sollten Betroffene schnell handeln und sich an Schuldnerberatungsstellen wenden, deren Angebote auf den Webseiten der Bundesarbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung zu finden sind.

Um solchen Problemen vorzubeugen, sei eine gründliche Planung vor der Kreditaufnahme essenziell. So müssen Verbraucherinnen und Verbraucher laut Bock ehrlich zu sich selbst sein und ihre regelmäßigen Ausgaben sowie Rücklagen sorgfältig berücksichtigen. Die Kreditrate sollte nur so hoch angesetzt sein, dass noch Spielraum für unvorhergesehene Ausgaben bleibt. Zudem empfiehlt er, Kreditverträge mit Sondertilgungsoptionen abzuschließen, da diese nachhaltig Zinskosten senken können.

Auch längere Zinsbindungen sollten in Erwägung gezogen werden. „Obwohl diese in der Regel mit höheren Zinssätzen verbunden sind, bieten sie mehr Planungssicherheit und schützen vor plötzlichen Zinssprüngen,“ erklärt Bock. Die Ergebnisse der BaFin-Umfrage unterstreichen diese Empfehlung: Fast ein Viertel der Befragten, die eine Anschlussfinanzierung suchten, erhielt mindestens eine Absage – häufig aufgrund von zu geringem Einkommen oder fehlendem Eigenkapital. Wer eine Anschlussfinanzierung benötigt, sollte deshalb frühzeitig handeln und sich beraten lassen.

Über die Umfrage

An der im Sommer 2024 durchgeführten Online-Umfrage der BaFin zur Immobilienfinanzierung nahmen 3.060 repräsentativ ausgewählte Personen teil. 633 der Befragten (21 %) waren zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einer Immobilienfinanzierung, vor allem um eine bestehende Immobilie zu kaufen oder zu modernisieren. 706 der Befragten (23 %) hatten zum Zeitpunkt der Befragung eine laufende Immobilienfinanzierung. Rund ein Viertel von ihnen hat zwei oder mehr solcher Kreditverträge.