DVAG-Beratung in der Kritik

Quelle: Deutsche Vermögensberatung

Ein Bericht der Zeit wirft ein kritisches Licht auf die Deutsche Vermögensberatung (DVAG). Die 22-jährige Lisa Engel vertraute ihrem Finanzberater und schloss eine Vielzahl an Finanzprodukten ab, die in Summe nicht zu ihrer finanziellen Situation passten.

Ein aktueller Bericht der Zeit wirft ein kritisches Licht auf die Deutsche Vermögensberatung (DVAG). Die 22-jährige zahnmedizinische Fachangestellte lernte den DVAG-Berater Benjamin O. im September 2023 über eine Bekannte kennen. In einer privaten Unterhaltung sprach er mit ihr über ihre finanzielle Zukunft und sicherte ihr zu, einen maßgeschneiderten Finanzplan zu erstellen. Nach weiteren Gesprächen schloss die Kundin in der Folge zahlreiche Finanzprodukte ab:

  • Vier fondsgebundene Rentenversicherungen
  • Fünf Fondssparpläne
  • Eine Risiko-Lebensversicherung
  • Ein Bausparvertrag
  • Mehrere weitere Sachversicherungen

Die monatlichen Kosten beliefen sich auf über 1.400 Euro, während Engel nur knapp 2.000 Euro Netto-Gehalt verdiente. Der Berater überwies ihr monatlich 400 Euro als „Konsumgeld“ und sicherte ihr zu, dass sie jederzeit Zugriff auf ihr Kapital habe.

Als Lisa Engel Geld für ein Auto benötigte, stellte sie fest, dass ihre Ersparnisse in langfristigen Finanzprodukten gebunden waren. Ihr Berater wich ihren Fragen aus, und eine Auszahlung verzögerte sich. Laut der Zeit könnte dies mit der sogenannten Stornohaftung zusammenhängen: Kündigt ein Kunde einen Vertrag vor Ablauf der Mindestlaufzeit, müssen Vermittler einen erheblichen Teil ihrer Provision zurückzahlen.

Engel brach daraufhin den Kontakt zu dem Berater ab und wandte sich an die Verbraucherzentrale. Diese kam zu dem Schluss, dass die vermittelten Finanzprodukte nicht zu ihrer finanziellen Situation passten. Dennoch verweigerte die Generali, mit der die DVAG exklusiv zusammenarbeitet, gegenüber Lisa Engel eine Rückabwicklung der Verträge: „Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir Ihre Verträge nicht aufheben und Ihnen die eingezahlten Beiträge nicht zurückerstatten können.“ Die Begründung: Der Berater habe Engel nach eigenen Angaben „ausführlich und korrekt“ beraten.

Laut der Zeit handelt es sich nicht um einen Einzelfall: So würden interne Unterlagen des Unternehmens zeigen, dass Neukunden gezielt aus dem persönlichen Umfeld gewonnen werden sollen. Zudem sollen „Unterlagen weiterer Kunden" belegen, dass auch diese Verträge für ungeeignete Produkte abgeschlossen haben. So hätte eine Kundin über 20 Jahre rund 40.500 Euro in eine fondsgebundene Rentenversicherung gezahlt und am Ende nur 41.600 Euro ausgezahlt bekommen.

Lisa Engel soll ihre Verträge mittlerweile gekündigt und auch den Zugang für das Online-Banking für Benjamin O. gesperrt haben. Dieser wollte sich laut Zeit auch nach zweimaliger Anfrage bislang nicht zu den Vorwürfen äußern.

* Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version schrieben wir, dass Frau Engel ihr gesamtes Erspartes verlor. Das ist in der Form nicht korrekt. Das Ersparte ist in den Verträgen gebunden.