Vertrieb im KI-Dämmerzustand: Unternehmen verschenken Potenzial

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Gerade in der Versicherungswirtschaft wird deutlich, wie stark GenAI nicht nur Prozesse beschleunigt, sondern auch etablierte Vertriebsmodelle infrage stellt. Dr. Thorsten Voith von Voithenberg, Head of Insurance bei Sopra Steria Next, bringt es auf den Punkt:

„GenAI verändert die Versicherungsbranche, vor allem im Vertrieb. Das zeigt sich insbesondere im Geschäftsmodell der Vermittler sowie in der Zusammenarbeit zwischen Versicherern und Maklern. Pools und größere Vertriebe werden durch Effizienz und technologische Unterstützung weiter an Einfluss gewinnen, Mehrfachagenten rücken zunehmend in den Fokus.“

Vor diesem Hintergrund geraten viele Versicherer unter Zugzwang: Sollen sie Plattformanbieter gezielt stärken? Eigene KI-Lösungen zur Maklerbindung entwickeln? Oder gebundene Vermittler zu hybriden Mehrfachagenten umbauen? Was heute wie eine Frage der Struktur erscheint, kann morgen über Marktzugang und Vertriebskraft entscheiden.

Die Aufgabe: Potenzial in der Praxis nutzen

GenAI ist kein Zukunftsthema mehr, sondern längst ein betrieblicher Realitätscheck. Wer neue Kundengruppen erschließen, Vertriebskosten senken und die Qualität der Kundenbeziehung steigern will, kommt um die Integration intelligenter Agenten nicht mehr herum. Entscheidend ist nicht, ob die Technologie reif ist – sondern ob Unternehmen bereit sind, ihre Vertriebslogik neu zu denken.

Noch allerdings überwiegt vielerorts das Effizienzdenken. Nur 15 Prozent der Befragten halten es für möglich, dass GenAI heutige Geschäftsmodelle grundsätzlich infrage stellt. Dabei zeigen andere Zahlen: 68 Prozent der angehenden Nutzer erwarten große Veränderungen beim internen Wissensmanagement – ein klarer Hinweis auf das disruptive Potenzial intelligenter Assistenzsysteme.

Ein nicht zu unterschätzender Hebel liegt zudem auf der Führungsebene: 63 Prozent der Befragten sind laut Studie überzeugt, dass Führungskräfte GenAI-Kompetenz aufbauen müssen – sonst gehören sie in fünf Jahren nicht mehr zur C-Ebene. Der Veränderungsdruck kommt also nicht nur von außen, sondern auch von innen. Die nächste Phase gehört denen, die nicht nur experimentieren, sondern konsequent skalieren.