Provinzial-Vorständin: „Als Versicherer sind wir gegen die Einführung einer Pflichtversicherung“

Quelle: Sabine Krummenerl@Provinzial

Der Anpassungsfaktor für die Wohngebäudeversicherung lag 2023 auf einem historischen Höchststand von 14,7 Prozent und wurde für 2024 auf 7,5 Prozent gesenkt. Sind diese Anpassungen ausreichend, um die steigenden Schadenkosten aufzufangen? Oder stehen weitere Prämienerhöhungen bevor?

Wie schon ausgeführt, sorgen steigende Baupreise und Lohnkosten für eine stetige Zunahme der Schadenaufwände. Aber auch heute noch unbekannte mögliche gesetzliche Änderungen haben hierauf einen starken Einfluss. Vor diesem Hintergrund kann derzeit noch nicht beurteilt werden, ob und in welcher Höhe in naher Zukunft weitere höhere Anpassungen, insbesondere durch den Anpassungsfaktor, erforderlich sind. Wir gehen aber davon aus, dass der Faktor in den nächsten Jahren weiter steigen wird.

Welche Präventionsmaßnahmen können die Schaden-Kosten-Bilanz nachhaltig verbessern? Gibt es bereits konkrete Projekte der Provinzial, um durch Prävention langfristig Kosten zu senken?

Hier sehen wir Kundinnen und Kunden auch aus Eigenschutz in der Verpflichtung, ihr Objekt in einem ordnungsgemäßen und wetterfesten Zustand zu halten. Eigentümer sollten dafür sorgen, dass das Leitungswassersystem des Gebäudes funktioniert und gepflegt wird und dass Rückstauklappen vorhanden sind.

Für Versicherer ist eine risikogerechte Annahmeprüfung und Kalkulation wichtig. Wir arbeiten laufend an Präventionsmaßnahmen, die wir zusammen mit unseren Kundinnen und Kunden zur Schadenabwendung und Schadenminderung ergreifen können. Hierzu gehören zum Beispiel Leckagemelder und SmartHome-Systeme

Die Forderung nach einer Pflichtversicherung für Elementarschäden wird immer wieder diskutiert. Wie steht die Provinzial dazu? Und würde eine solche Lösung die Risiken in der Branche fairer verteilen – oder sehen Sie Alternativen?

Als Versicherer sind wir gegen die Einführung einer Pflichtversicherung, die die Versicherer sowie Kundinnen und Kunden einseitig belastet. Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) hat deshalb sehr frühzeitig den Dreiklang aus Versicherungsschutz, Prävention und Stopp-Loss definiert. Als Provinzial unterstützen wir dieses Vorgehen ausdrücklich. Die Folgekosten durch den Klimawandel können nicht einseitig auf die Versicherer und ihre Versicherten verlagert werden.

Welche konkreten Maßnahmen erwarten Sie von der Politik, um die Situation der Wohngebäudeversicherer zu verbessern? Sind z. B. staatlich unterstützte Rückversicherungen oder steuerliche Entlastungen denkbare Lösungen?

Als Versicherer erwarten wir von der Politik bei neuen gesetzlichen Änderungen, wie zum Beispiel bei der Solarpflicht oder der Gefahrstoffverordnung, ein Konzept zur Integration in den Markt sowie finanzielle oder steuerliche Unterstützung bei derartigen Herausforderungen. Zudem erwarten wir insbesondere bei der Elementarabsicherung ganzheitliche Konzepte für die Prävention z.B. durch Bebauungspläne und Überschwemmungsschutz.

Sollte die Politik eine Pflichtversicherung zur Absicherung der Elementarschäden aller privaten Wohngebäude – unabhängig vom Überschwemmungsrisiko – beschließen, muss zwingend eine Lösung für große Katastrophen gefunden werden. Ansonsten drohen diese Ereignisse einzelne Versicherer finanziell zu überfordern. Eine staatliche unterstützte Rückversicherung kann dafür einer von mehreren Lösungswegen sein.