Gräfer-Kolumne: Intervallwachsen – Von Wachstumsrausch und Boxenstopps

Quelle: DALL-E

Zwischen Vollgas und Vollbremsung: In turbulenten Zeiten braucht es mehr als blinden Wachstumsdrang, meint Martin Gräfer. In seiner Kolumne plädiert der Vorstand der Versicherungsgruppe die Bayerische für eine neue Strategie – das "Intervallwachsen". Klingt erfunden? Ist es auch. Aber vielleicht genau deshalb so charmant.

Die Wirtschaftswelt schwankt gerade zwischen Vollgas und Vollbremsung: Tech-Konzerne entlassen tausende Mitarbeitende, während Start-ups auf Investoren hoffen, die plötzlich sehr zurückhaltend sind. Gleichzeitig explodieren neue Trends, nur um wenige Monate später wieder zu verpuffen. In solchen Zeiten klingt eine Strategie, die gezielt zwischen Expansion und Konsolidierung wechselt, fast schon genial – oder?

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Klingt nach einer Erfolgsformel, oder? Aber Moment mal – wer schon mal Intervallfasten ausprobiert hat, weiß: Die Theorie klingt viel leichter, als sie in der Praxis funktioniert. Zwischen Fasten und Futtern sind eben doch mehr Herausforderungen, als man denkt. Und so kommt es mir vor, als hätte die Wirtschaft ein ähnliches Dilemma: Statt mit vollem Tempo zu wachsen, die Bremse zu ziehen oder einfach mal den Gang rauszunehmen, brauchen Unternehmen eine Balance, die funktioniert.

Und hier kommen wir zu einem Konzept, das die Lösung bieten könnte: Intervallwachsen.

Intervallwachsen beschreibt genau das: Erst wird ordentlich Gas gegeben – neue Märkte, Innovationen, Wachstum! Und dann? Ein strategischer Boxenstopp, um Strukturen zu festigen, Prozesse zu optimieren und finanzielle Reserven aufzufüllen. Klingt nach gesundem Menschenverstand, oder?

Die Idee dahinter: Wer nicht pausenlos Vollgas fährt, sondern gezielt Konsolidierungsphasen einbaut, bleibt langfristig stabil, effizient und wettbewerbsfähig. Denn Wachstum um jeden Preis? Endet oft wie ein schlechter Kater nach einer wilden Partynacht.

Die Bayerische als Paradebeispiel?

Schauen wir uns das Ganze mal in der Praxis an. Die Bayerische könnte glatt als Vorzeigebeispiel für Intervallwachsen durchgehen. Erst der große Wachstumsschub: neue Produkte, digitale Services, Expansion – volle Kraft voraus! Dann das Durchatmen: interne Abläufe optimieren, Prozesse automatisieren, finanzielle Polster aufbauen. Und ja, wir haben bewusst in unser Team investiert – neue Talente an Bord geholt, Weiterbildungen gestärkt, Strukturen angepasst. Gleichzeitig haben wir auch in unsere IT-Infrastruktur und echte Innovation investiert – und in dieser Zeit in Bereichen wie dem Service auch mal kurzzeitig zurückgesteckt. Eben um jetzt umso stärker wieder zurückzukommen. Und schließlich? Die nächste Wachstumsrunde, jetzt mit einem gestärkten Fundament und neuen Impulsen.

Laut dem aktuellen Branchenmonitor 2024 Kompositversicherung ist die Bayerische von 2018 bis 2023, bereinigt um Sondereffekte, der wachstumsstärkste Schadenversicherer Deutschlands. Ein beeindruckendes Plus von rund 66 % zeigt, dass der Wachstumsschub mehr als nur eine Phase war – es war eine nachhaltige, strategische Entscheidung, die der Bayerischen langfristig eine starke Marktposition verschafft hat.

Doch das Wachstum war nie „Wachstum um jeden Preis“. Vielmehr erfolgte nach dieser dynamischen Phase ein gezielter „Boxenstopp“, um die internen Prozesse zu optimieren, die Profitabilität zu verbessern und das Fundament zu stärken. Mit dieser klugen Balance zwischen Expansion und Konsolidierung wird die Bayerische 2025 und darüber hinaus auf Erfolgskurs bleiben. So wird Wachstum nachhaltig, effizient und vor allem stabil.
Clever, oder? Kein hektisches Hin und Her, sondern ein durchdachter Plan. Wachstum ohne Kopfschmerzen – das wär’s doch!

Der Aha-Moment: Ein Trend, der keiner ist?

Intervallwachsen klingt nach der perfekten Strategie: Es sorgt für Stabilität statt blindem Wachstumswahn, erlaubt Anpassungsfähigkeit ohne Chaos und fördert eine Unternehmenskultur, die mit den Herausforderungen wächst. Unternehmen, die klug zwischen Expansion und Konsolidierung wechseln, sichern sich langfristige Wettbewerbsfähigkeit und stehen auf einem soliden Fundament.

Aber Moment mal... Schon mal von Intervallwachsen gehört? Nein? Genau. Denn den Begriff gibt’s gar nicht. Richtig gelesen. Einfach ausgedacht. Aber seien wir ehrlich: Die Idee ist doch ziemlich gut, oder? Vielleicht setzen wir ihn einfach in die Business-Buzzword-Welt. Schließlich braucht die ja ständig neues Futter!