Wie gelingt das Perfect Match zwischen Versicherern und Start-ups?

Fynn Wolken, Digital Innovation Manager bei Wertgarantie, spricht im Podcast über gezielte Kooperationen – aktuell etwa mit dem KI-Startup muffintech. Er erklärt, warum es sich lohnt, Innovation frühzeitig „einzukaufen“, welche Qualitätssiegel bei Start-ups entscheidend sind und wie generative KI den Kundenservice verändert. Zudem verrät er, was Versicherer bei Partnerschaften beachten sollten – und was er aus der Zusammenarbeit mit über 800 Gründern gelernt hat.

Dr. Norbert Rollinger, Vorstandsvorsitzender der R+V und Präsident des GDV, sprach unter anderem in seiner Eröffnungs-Keynote der insureNXT 2023 über die Kooperation zwischen Start-ups und Versicherern. Dabei erklärte er, dass Events wie die insureNXT eine Art "Datingplattform" für Start-ups und Versicherer darstellen. Er fügte hinzu: "Es ist wie bei Tinder."

Denn man müsse sich schnell entscheiden, wer zu einem passt und wer nicht, da Versicherer nicht mit jedem kooperieren können und Start-ups gezielt nach passenden Partnern suchen.
Ich fand diese Metapher äußerst treffend und stellte mir die Frage: Wenn man das mit Tinder vergleicht, wie müssen Start-ups sein, damit Versicherer sich für sie interessieren, und was erwarten Start-ups eigentlich von Versicherungen?

Vergangenes Jahr entstand daraus der Podcast „Perfect Match – Wie die Kooperation zwischen Start-ups und Versicherungen gelingt“ (Teil 1 & Teil 2) und das Special „Perfect Match: 12 Tipps für erfolgreiche Kooperationen von Versicherungen & Start-ups“.

Auch in diesem Jahr spreche ich wieder mit Start-ups und Versicherern und heute mit Fynn Wolken von Wertgarantie über Start-ups allgemein und die Kooperation mit muffintech im Speziellen. Die Sicht des Start-ups erfahren Sie in der kommenden Woche.

„Von außen nach innen denken“

Von außen nach innen denken – das ist das Innovationsrezept von Fynn Wolken, Digital Innovation Manager bei Wertgarantie. Seit gut einem Jahr treibt er beim Spezialversicherer aus Hannover die Zusammenarbeit mit Startups voran – mit einem klaren Ziel: schneller, günstiger und besser zu innovieren, als es intern alleine möglich wäre. Im Podcast-Format Perfect Match spricht Wolken über Erfolgsfaktoren, Stolpersteine und seine aktuelle Kooperation mit dem KI-Start-up muffintech.

Der Startup-Scout bei Wertgarantie

Mit rund acht Millionen Verträgen und einem besonderen Fokus auf Elektrogeräte- und Fahrradversicherungen zählt Wertgarantie zu den etablierten Spezialversicherern in Deutschland. Wolken sieht sich in der Rolle des Scouts: Er bringt frische Ideen von außen ins Unternehmen – etwa über Programme wie das InsureLab und den Collaborator Batch. Dabei arbeitet er sowohl mit konkreten internen Innovationsbedarfen als auch mit Impulsen von außen.

„Ich mache outside-in-Innovation“, erklärt er. „Wenn jemand draußen schon eine gute Lösung hat, warum sollen wir sie nicht nutzen?“ Voraussetzung sei jedoch ein solides Geschäftsmodell, Innovationsgeist und eine gewisse Nähe zur Versicherungswelt – nicht zuletzt, um regulatorische Anforderungen bewältigen zu können.

Qualitätssiegel und Gründer-DNA

Bei der Auswahl von Start-ups achtet er auf sogenannte „Qualitätssiegel“: Förderprogramme wie Textiles Berlin oder eine Aufnahme ins InsurLab Köln gelten als verlässliche Hinweise auf Seriosität und Innovationskraft. Mindestens genauso wichtig ist für ihn die persönliche Ebene. „Ich will wissen, mit wem ich es zu tun habe“, sagt er. Darum besucht er Start-ups auch persönlich – wie zuletzt muffintech in Berlin.
Referenzen bei anderen Versicherern seien hilfreich, aber keine Bedingung: „Irgendjemand muss ja der Erste sein“, so Fynn. Dafür brauche es aber Pilotprojekte mit klaren Zielen – kein „Take my money and go“, sondern ein partnerschaftliches Entwickeln auf Augenhöhe.

Geht nicht pleite, bevor wir euch beauftragen können

Ein Paradebeispiel für ein gelungenes Match ist die Kooperation mit muffintech. Das Start-up bringt generative KI in den Kundenservice. Gemeinsam wurde eine Anwendung konzipiert, die versicherten Kunden auch bei nicht-versicherten Geräten hilft – etwa, wenn ein online gekauftes Tablet kaputtgeht. Der Chatbot verweist dann auf passende Reparaturangebote im Fachhandel, bei dem Wertgarantie traditionell stark verankert ist. Ziel ist, neue Abschlusschancen zu schaffen und gleichzeitig Mehrwert im Kundenservice zu bieten.
Noch befindet sich das Projekt in der Testphase. Interne Beschaffungs- und Prüfprozesse dauern – ein Punkt, den Start-ups verstehen und aushalten müssen. „Geht nicht pleite, bevor wir euch beauftragen können“, gibt Wolken schmunzelnd als Tipp mit.

Was Start-ups und Versicherer sonst noch alles in der Kooperation beachten sollten und was er aus der Zusammenarbeit mit über 800 Gründern gelernt hat und vieles mehr bespreche ich mit Fynn Wolken in der Folge des Perfect-Match-Podcasts. Hören Sie hier auf Spotify oder hier auf Apple-Podcast rein – es lohnt sich!