Die Angehörigenpflege, auch bekannt als Laienpflege, ist eine besondere Ausprägung der ambulanten Pflege, bei der pflegende Angehörige die Betreuung und Versorgung eines pflegebedürftigen Menschen übernehmen. Dabei handelt es sich um Personen aus dem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis, die nicht als professionelle Pflegekräfte ausgebildet sind, sondern aus persönlicher Nähe und Verantwortung heraus handeln.
Angesichts einer alternden Gesellschaft und der steigenden Zahl pflegebedürftiger Menschen in Deutschland nimmt die Angehörigenpflege eine immer bedeutendere Rolle ein. In diesem Artikel erfahren Sie, was Angehörigenpflege bedeutet, wer sie ausübt, welche Herausforderungen sie mit sich bringt und welche Unterstützungsmöglichkeiten es gibt.
Was ist Angehörigenpflege?
Die Angehörigenpflege beschreibt die Betreuung und Pflege von pflegebedürftigen Personen im häuslichen Umfeld durch Personen aus deren persönlichem Umfeld. Die Pflege wird durch Laien durchgeführt, die nicht zwingend eine pflegerische Ausbildung besitzen.
Wer gilt als pflegender Angehöriger?
Pflegende Angehörige können Personen aus unterschiedlichen Beziehungskreisen sein:
- Familienmitglieder: Kinder, Eltern, Geschwister oder Großeltern.
- Ehepartner und Lebenspartner: Ehegatten, eingetragene Lebenspartner oder Partner in eheähnlichen Gemeinschaften.
- Freunde und Bekannte: Personen aus dem näheren Umfeld, wie Freunde, Nachbarn oder andere Bezugspersonen.
Der Begriff „Angehörige“ wird in diesem Kontext weit gefasst und schließt alle Personen ein, die eine enge Bindung zur pflegebedürftigen Person haben und sich für deren Betreuung verantwortlich fühlen.
Wie wird Angehörigenpflege organisiert?
Die Pflege kann auf unterschiedliche Weise erfolgen:
- Pflege im gemeinsamen Haushalt: Häufig ziehen pflegende Angehörige den Pflegebedürftigen zu sich nach Hause oder ziehen selbst in die Wohnung des Pflegebedürftigen.
- Pflege in der Nähe: Manche Angehörige leben in unmittelbarer Nachbarschaft und organisieren die Pflege von dort aus.
- Unterstützung durch Pflegedienste: Oft wird die Pflege durch professionelle Pflegedienste ergänzt, die medizinische und pflegerische Tätigkeiten übernehmen.
Bedeutung der Angehörigenpflege
Die Angehörigenpflege ist ein zentraler Bestandteil der Pflege in Deutschland. Laut Statistiken der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP) wird ein Großteil der Pflegebedürftigen von Angehörigen betreut. Diese Form der Pflege entlastet nicht nur das Gesundheitssystem, sondern ermöglicht es pflegebedürftigen Menschen, möglichst lange in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben.
Vorteile der Angehörigenpflege:
- Individuelle Betreuung: Pflegende Angehörige kennen die Bedürfnisse und Wünsche der Pflegebedürftigen oft besser als Fremde.
- Emotionale Nähe: Die Pflege durch Angehörige bietet eine vertraute und persönliche Atmosphäre.
- Kostenersparnis: Angehörigenpflege ist in vielen Fällen kostengünstiger als stationäre Pflege.
Herausforderungen der Angehörigenpflege
Trotz der vielen Vorteile bringt die Angehörigenpflege erhebliche Herausforderungen mit sich. Pflege ist sowohl körperlich als auch emotional belastend, insbesondere für Laien, die nicht auf diese Aufgaben vorbereitet sind.
1. Physische und psychische Belastung
Pflegende Angehörige stehen häufig unter hoher Belastung, insbesondere wenn die Pflege mit einem hohen Zeitaufwand oder körperlich anspruchsvollen Tätigkeiten verbunden ist.
- Beispiel: Das regelmäßige Heben oder Umlagern eines Pflegebedürftigen kann langfristig zu gesundheitlichen Problemen führen.
- Psychische Belastung: Die Verantwortung und der tägliche Umgang mit einem pflegebedürftigen Angehörigen können Stress, Erschöpfung und emotionale Spannungen verursachen.
2. Zeitliche Einschränkungen
Viele pflegende Angehörige stehen vor der Herausforderung, die Pflege mit ihrem Berufs- und Privatleben zu vereinbaren. Besonders schwierig ist dies, wenn die Pflege umfangreiche Betreuung erfordert.
3. Finanzielle Belastung
Obwohl die Pflegeversicherung Unterstützung bietet, deckt sie oft nicht alle Kosten ab. Pflegende Angehörige übernehmen häufig zusätzliche Ausgaben, etwa für Hilfsmittel, Fahrtkosten oder Pflegekurse.
4. Fehlende Ausbildung
Da es sich bei pflegenden Angehörigen um Laien handelt, fehlt oft das nötige Fachwissen, um die Pflege korrekt und effizient zu organisieren. Dies kann dazu führen, dass pflegerische Tätigkeiten fehlerhaft oder unzureichend ausgeführt werden.
Unterstützungsmöglichkeiten für pflegende Angehörige
Um die Herausforderungen der Angehörigenpflege zu bewältigen, gibt es eine Vielzahl von Unterstützungsangeboten und Leistungen, die in Anspruch genommen werden können.
1. Pflegegeld
Pflegebedürftige, die zu Hause von Angehörigen gepflegt werden, haben Anspruch auf Pflegegeld. Dieses Geld wird direkt an die pflegebedürftige Person ausgezahlt und kann genutzt werden, um die Pflege zu finanzieren. Die Höhe des Pflegegeldes hängt vom Pflegegrad ab.
2. Unterstützung durch Pflegedienste
Professionelle Pflegedienste können Aufgaben wie Grundpflege, medizinische Pflege oder hauswirtschaftliche Unterstützung übernehmen. Die Kosten werden in vielen Fällen teilweise oder vollständig von der Pflegeversicherung übernommen.
3. Entlastungsleistungen
Pflegende Angehörige können sogenannte Entlastungsleistungen beantragen, um Hilfe bei Alltagsaufgaben zu erhalten. Dazu zählen beispielsweise Unterstützung im Haushalt oder Begleitung bei Arztbesuchen.
4. Verhinderungspflege
Pflegende Angehörige haben Anspruch auf Verhinderungspflege, wenn sie für einen bestimmten Zeitraum nicht in der Lage sind, die Pflege durchzuführen (z. B. bei Krankheit oder Urlaub). Die Pflege wird in diesem Fall von einer Ersatzperson oder einem Pflegedienst übernommen.
5. Pflegekurse
Pflegekurse bieten Angehörigen das nötige Wissen, um ihre Aufgaben besser zu bewältigen. Themen sind unter anderem die richtige Hebe- und Lagerungstechnik, der Umgang mit Demenzerkrankten oder die Organisation der Pflege.
Emotionale Unterstützung für pflegende Angehörige
Neben finanzieller und praktischer Unterstützung spielt die emotionale Entlastung eine wichtige Rolle. Pflege ist oft mit Einsamkeit, Stress und Überforderung verbunden. Folgende Maßnahmen können helfen:
- Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen pflegenden Angehörigen bietet Verständnis und Unterstützung.
- Psychologische Beratung: Professionelle Beratung kann helfen, mit Belastungen umzugehen und eigene Ressourcen zu stärken.
- Regelmäßige Auszeiten: Zeit für sich selbst zu nehmen, ist wichtig, um langfristig in der Pflege tätig bleiben zu können.
Fazit: Angehörigenpflege als unverzichtbarer Bestandteil der Pflege
Die Angehörigenpflege ist eine unverzichtbare Säule des deutschen Pflegesystems. Sie ermöglicht pflegebedürftigen Menschen, in ihrem vertrauten Zuhause zu bleiben, und bietet gleichzeitig eine kostengünstige Alternative zur stationären Pflege.
Allerdings bringt diese Art der Pflege erhebliche Herausforderungen mit sich, insbesondere für die pflegenden Angehörigen. Eine gute Organisation, der Zugang zu Unterstützungsangeboten und die Bereitschaft, Hilfe anzunehmen, sind entscheidend, um die Angehörigenpflege erfolgreich und nachhaltig zu gestalten. Mit den richtigen Ressourcen und Strategien kann die Pflege sowohl für die Betroffenen als auch für die pflegenden Angehörigen eine bereichernde Erfahrung sein.
Häufig gestellte Fragen
Was ist Angehörigenpflege?
Angehörigenpflege bezeichnet die Laienpflege durch Personen aus dem Familien-, Freundes- oder Bekanntenkreis, die pflegebedürftige Menschen zu Hause betreuen und versorgen.
Wer gilt als pflegender Angehöriger?
Pflegende Angehörige können Familienmitglieder, Ehepartner, Freunde, Nachbarn oder andere Bezugspersonen sein.
Welche Unterstützung gibt es für pflegende Angehörige?
Pflegegeld, Entlastungsleistungen, Verhinderungspflege und Pflegekurse sind nur einige der Angebote, die Angehörige in Anspruch nehmen können.
Was sind die größten Herausforderungen der Angehörigenpflege?
Die Pflege kann physisch und psychisch belastend sein, erfordert viel Zeit und kann finanzielle Herausforderungen mit sich bringen.
Wie kann die Pflegeversicherung helfen?
Die Pflegeversicherung bietet finanzielle Unterstützung, übernimmt Kosten für Pflegedienste und ermöglicht Entlastungsleistungen für pflegende Angehörige.