Die Helvetia Gruppe hat laut Informationen des Versicherungsmonitors den Verkaufsprozess für ihr Deutschlandgeschäft eingeleitet. So haben potenzielle Käufer wohl bereits Zugang zum digitalen Datenraum erhalten. Es geht um zwei Tochtergesellschaften und die Frankfurter Niederlassung mit rund 800 Mitarbeitenden sowie Gesamt-Prämieneinnahmen von etwa einer Milliarde Euro.

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Bereits Anfang Januar berichtete Bloomberg, dass die Helvetia Gruppe über einen Verkauf ihres Deutschlandgeschäfts nachdenkt und dazu die Bank JPMorgan Chase mit der Einholung unverbindlicher Angebote beauftragt hat. Als Grund für das Verkaufsinteresse nannte Bloomberg das schwächelnde Geschäft in Deutschland, das 2023 Verluste aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage und eingeschränkter Bautätigkeit verzeichnete.

Zudem hat die Helvetia im Dezember neue Finanzziele für 2025 bis 2027 gesetzt und höhere Dividendenzahlungen angekündigt. Um diese Ziele zu erreichen, sollen rund 200 Millionen Euro eingespart werden. Der mögliche Verkauf des Deutschlandgeschäfts könnte Teil dieser Einsparmaßnahmen sein.

Verkaufsprozess gestartet: Interessenten erhalten Einblick in interne Daten

Der Verkaufsprozess umfasst die Helvetia Versicherung, die Helvetia Lebensversicherung und den Bestand der Frankfurter Niederlassung. Nachdem potenzielle Käufer laut Informationen der Süddeutschen Zeitung in den letzten Wochen unverbindliche Angebote auf Basis einer Unternehmenspräsentation abgegeben haben, wird nun nach neuesten Informationen der digitale Datenraum für ausgewählte Interessenten geöffnet. Dort sollen sie Einblick in interne Daten erhalten und auf dieser Basis so ein verbindliches Angebot abgeben können. Ein Sprecher von Helvetia erklärte, dass man Gerüchte nicht kommentiere.

CEO betont Profitabilität des Deutschlandgeschäfts

In einem Interview mit der Schweizer Handelszeitung erklärte CEO Fabian Rupprecht: „Unser Deutschland-Geschäft ist profitabel.“ Tatsächlich trug das Deutschlandgeschäft im ersten Halbjahr 2024 einen bereinigten operativen Gewinn („Underlying Earnings“) von 16 Millionen Schweizer Franken beziehungsweise knapp 17 Millionen Euro nach Steuern zum Ergebnis der Gruppe bei.

Der seit Ende 2023 amtierende Konzernchef trimmt den Schweizer Konzern auf höhere Gewinne und wachsende Dividenden. Dazu gehört auch der Abbau von 500 der rund 14.000 Stellen im Konzern. Die deutsche Helvetia-Gruppe liefert allerdings nur geringe Gewinne ab und kämpft mit hohen Kosten aufgrund einer teuren IT-Umstellung. Der Verkauf des Deutschlandgeschäfts könnte daher ein Schritt zur Optimierung der Konzernstruktur und zur Erfüllung der neuen Finanzziele sein.

Helvetia steht zudem unter Druck von Aktionären, die höhere Renditen und eine steigende Profitabilität fordern. Der mögliche Verkauf des Deutschlandgeschäfts könnte daher nicht nur zur Einsparung von Kosten, sondern auch zur strategischen Fokussierung auf profitablere Märkte beitragen.

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Ob es tatsächlich zu einem Verkauf kommt, bleibt abzuwarten. Helvetia hat sich zu den laufenden Verkaufsverhandlungen nicht offiziell geäußert und auch keine potenziellen Käufer genannt.