Psychische Erkrankungen bei jungen Erwachsenen auf Rekordhoch
Die psychische Belastung junger Menschen nimmt dramatisch zu. Laut Axa Mental Health Report 2025 leidet über die Hälfte der 18- bis 24-Jährigen an einer mentalen Erkrankung – ein beunruhigender Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Die Versicherungswirtschaft muss reagieren, denn die Versorgungslücke wächst.

Der neue Axa Mental Health Report 2025, erstellt vom Meinungsforschungsinstitut Ipsos, bringt alarmierende Erkenntnisse ans Licht: 54 Prozent der 18- bis 24-Jährigen in Deutschland geben an, aktuell unter einer psychischen Erkrankung zu leiden. Im Vorjahr waren es noch 41 Prozent – ein Anstieg um 13 Prozentpunkte innerhalb eines Jahres. Erfasst wurden verschiedene Diagnosen wie Depressionen, Angststörungen, Essstörungen und Zwangserkrankungen.
Anzeige
Der Axa-Report basiert auf einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage unter Erwachsenen ab 18 Jahren in 16 Ländern, darunter Deutschland. Der Befund zeigt deutlich: Gerade junge Menschen in Deutschland erleben psychische Belastung als ständigen Begleiter ihres Alltags. Die Zahlen sprechen für eine strukturelle Überforderung – sozial, wirtschaftlich, emotional.
Alters- und Geschlechtsunterschiede deutlich
Die Studie zeigt auch: Die psychische Belastung nimmt mit dem Alter deutlich ab. Bei den 65- bis 75-Jährigen liegt der Anteil psychisch Erkrankter nur bei 15 Prozent. Auch zwischen den Geschlechtern zeigen sich Differenzen: Frauen (37 Prozent) bezeichnen sich deutlich häufiger als betroffen als Männer (31 Prozent).
Diese demografische Schieflage ist nicht nur medizinisch relevant – sie hat auch versicherungstechnische Implikationen. Denn während ältere Versicherte in der Regel eine stabile Versorgung und Lebenssituation vorfinden, stellt die junge Generation eine doppelte Herausforderung dar: hohe Prävalenz und hohe Erwartung an digitale, schnelle, barrierefreie Angebote.
Professionelle Hilfe gefragt – und wirksam
Erfreulich ist, dass ein Großteil der Betroffenen die eigene Erkrankung nicht nur erkennt, sondern auch behandeln lässt: Von den 34 Prozent aller Befragten in Deutschland, die aktuell eine psychische Erkrankung angeben, haben 71 Prozent eine professionelle Diagnose erhalten – also eine Diagnose durch Psychiater, Psychologen oder Hausärzte. Nur 15 Prozent diagnostizieren sich selbst.
Immerhin: 53 Prozent der aktuell Betroffenen befinden sich in professioneller Behandlung, 23 Prozent behandeln sich selbst. Der Anteil derer, die gar keine Hilfe in Anspruch nehmen, ist mit 20 Prozent rückläufig – im Vorjahr lag er noch bei 24 Prozent.
Gerade diese letzte Gruppe sollte im Fokus künftiger Versorgungskonzepte stehen. Denn unversorgte psychische Erkrankungen bergen nicht nur ein hohes individuelles Risiko – sie führen auch zu Folgekosten für Krankenkassen, Arbeitgeber und das soziale Umfeld.
Versicherer unter Zugzwang: Prävention, Leistungen und Kommunikation
Für die Versicherungswirtschaft ist die wachsende Zahl psychisch belasteter junger Menschen mehr als ein gesellschaftliches Alarmsignal – sie ist ein handfester Risikofaktor. Denn psychische Erkrankungen sind längst die häufigste Ursache für den Bezug einer Berufsunfähigkeitsrente. Laut Daten der Deutschen Aktuarvereinigung und aktueller Analysen (u. a. von Franke und Bornberg) geht rund jede dritte BU-Leistung auf eine psychische Ursache zurück – Tendenz steigend. Besonders häufig betroffen: junge Berufseinsteiger und Menschen in belastungsintensiven Branchen.
Für die Versicherungswirtschaft ergeben sich aus den Daten des Axa Mental Health Reports 2025 klare Handlungsimplikationen:
Anzeige
- Prävention und Früherkennung stärken: Digitale Tools zur Stressbewältigung, App-basierte Check-ins zur psychischen Verfassung oder digitale Coaching-Angebote können helfen, frühzeitig gegenzusteuern.
- Zugang zur Behandlung erleichtern: Kooperationen mit psychologischen Versorgungsdiensten, Telemedizin-Plattformen oder Gesundheits-Startups ermöglichen Versorgung auch dort, wo Wartezeiten lang sind oder Versorgungslücken bestehen.
- Leistungsmanagement neu denken: Statt nur im Leistungsfall zu reagieren, braucht es ganzheitliche Modelle – z. B. über Case Management, Rückkehrhilfen oder psychologische Rehabilitationsangebote.
Versicherer, die mentale Gesundheit ganzheitlich denken – von der Prävention über die Versorgung bis zur Leistungssteuerung –, können so nicht nur Versorgungslücken schließen, sondern auch langfristig Schadenquoten stabilisieren – und zudem die Kundenzufriedenheit erhöhen. Der Mental Health Report ist auf der Webseite der Axa verfügbar.