Lebensversicherer mit Rückgang bei Solvenzquote
Die Kapitalausstattung der deutschen Versicherer bleibt auch 2024 auf hohem Niveau. Trotz sinkender Zinsen bleibt die Solvenzquote deutlich über dem gesetzlichen Minimum. Der vorzeitige Verzicht auf Übergangsmaßnahmen unter Solvency II unterstreicht die Stabilität der Branche.

Die Versicherungswirtschaft in Deutschland zeigt sich auch im Jahr 2024 widerstandsfähig. Wie der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) mitteilt, bewegen sich die Solvenzquoten weiterhin auf einem robusten Niveau. Diese Kennziffer zeigt an, in welchem Verhältnis die Eigenmittel eines Versicherers zu den gesetzlich vorgeschriebenen Kapitalanforderungen stehen – ein zentraler Indikator für die finanzielle Stabilität.
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Solvenzquoten weit über dem Mindestmaß
Für Lebensversicherer erwartet der GDV eine mittlere Solvenzquote zwischen 285 und 295 Prozent. Dieser Wert liegt unter dem Vorjahresniveau von 305 Prozent. „Auch in Krisenzeiten ist die Kapitalausstattung der Versicherer unverändert stabil. Das sind gute Nachrichten für Verbraucherinnen und Verbraucher, die sich auf ihren Versicherungsschutz verlassen können“, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen und sah in der Entwicklung keinen Grund zur Sorge. Die leicht gesunkenen Zinsen im Jahr 2024 erklärten laut Verband die moderat gesunkene Quote.
Bei der Schaden- und Unfallversicherung bleibt die erwartete Solvenzquote stabil bei 280 Prozent – ein starkes Signal für die Belastbarkeit dieses Versicherungssegments.
Früher Umstieg auf Solvency II
Ein weiteres positives Signal: Die Mehrheit der Versicherer verzichtet bereits heute vollständig auf die ursprünglich bis Ende 2031 vorgesehenen Übergangsmaßnahmen im Rahmen von Solvency II. Diese Maßnahmen sollten Unternehmen den Wechsel von der alten aufsichtsrechtlichen Regelung Solvency I in das neue europäische System erleichtern.
„Die Versicherer sind schneller als geplant voll in Solvency II angekommen. Der vorzeitige Verzicht auf Übergangsmaßnahmen zeigt, wie robust und zukunftsfest das Geschäftsmodell der Branche ist“, so Asmussen weiter. Die einheitlichen Regeln unter Solvency II gelten seit 2016 und messen die Kapitalausstattung auf Basis aktueller Marktdaten. Eine Quote von 100 Prozent würde bereits bedeuten, dass ein Unternehmen auch bei extremen Marktverwerfungen seine Verpflichtungen erfüllen kann.
Die vom GDV veröffentlichten Werte sind vorläufige Schätzungen. Die tatsächlichen Solvenzquoten müssen laut gesetzlicher Vorgabe bis spätestens 8. April 2025 von den einzelnen Versicherern veröffentlicht werden.