Riester-Rente: IVFP will Rürup-Rente integrieren
Das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) hat ein eigenes Reformmodell für die Zukunft der privaten Altersvorsorge vorgelegt. An Bord sind radikale Vereinfachungen, flexiblere Förderung und mehr Freiheit bei Kapitalanlage und Auszahlung. Der Vorschlag setzt auf einen „Jump-in“-Effekt statt Zwang.

Die Debatte um die Zukunft der privaten Altersvorsorge nimmt wieder Fahrt auf. Nachdem der gesetzgeberische Versuch eines „Altersvorsorgedepotgesetzes“ nach dem Bruch der Ampel-Koalition im Sande verlief, bringt nun das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) ein eigenes Konzept in Stellung. Ziel: Die bislang getrennten Förderlogiken von Riester-Rente und Basisrente in einem neuen System zu verschmelzen – einfach, flexibel und attraktiv für breite Bevölkerungsschichten.
Altersvorsorge-Reform auf einen Blick
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Das Herzstück des Reformmodells ist ein neues, einheitliches Förderkonstrukt, das sowohl Zulagen- als auch Steuerförderung bietet – angepasst an Einkommen und Lebenssituation. Im Zentrum steht das sogenannte „Altersvorsorgedepot“, das schon ab dem Kindesalter starten und bis ins hohe Alter durchgängig genutzt werden kann.
Besonderheiten des IVFP-Vorschlags:
- Wegfall des Mindesteigenbeitrags: Jeder erhält die Grundzulage von 120 Euro und Kinderzulagen (180 Euro pro Kind) – unabhängig vom eigenen Beitrag.
- Zuschuss auf eigene Beiträge: Für jeden eingezahlten Euro gibt es 20 Cent Zuschuss, maximal 480 Euro im Jahr.
- Kein Garantiezwang: Die bisherige 100-Prozent-Garantie entfällt, um renditestärkere Anlagen zu ermöglichen.
- Kapitalauszahlung möglich: Bis zu 50 Prozent des Kapitals können als Einmalbetrag entnommen oder steuerneutral in einen Auszahlplan überführt werden.
- Freie Anbieterwahl: Nach fünf Jahren kann kostenfrei zwischen Anbietern gewechselt werden – auch beim Übergang in die Auszahlungsphase.
- Frühförderung ab Kindesalter: Kinder erhalten jährlich 120 Euro Förderung – ein Einstieg in die Vorsorge bereits mit sechs Jahren.
„One fits all“ statt Bürokratie-Wirrwarr
Der IVFP-Vorschlag verspricht vor allem eins: Entbürokratisierung. Die Unterscheidung zwischen mittelbar und unmittelbar förderfähigen Personen, komplexe Eigenbeitragsprüfungen oder Zulagenrückforderungen sollen entfallen. Das Modell greift Elemente der Riester- und Basisrente auf, schüttelt jedoch alte Zöpfe ab und kombiniert staatliche Förderung mit der Möglichkeit individueller Kapitalanlage.
Die Autoren des Vorschlags Prof. Dr. Thomas Dommermuth, Prof. Michael Hauer, Andreas Kick sind sich sicher, dass es einen Zwang zur Vorsorge zunächst nicht brauche. Stattdessen solle abgewartet und erst in zwei oder drei Jahren nochmals überprüft werden, wie das neue Angebot angenommen wird.
Altersvorsorgedepot als neues Standardprodukt?
Mit dem Altersvorsorgedepot könnten alle Bürger – unabhängig von Beruf, Einkommen oder Familienstand – über ein einziges Produkt ihre Altersvorsorge aufbauen. Versicherer, Fondsanbieter oder Fintechs könnten gleichermaßen entsprechende Produkte anbieten. Auch bestehende Riester- oder Basisrentenverträge sollen in das neue Modell überführt werden können – samt Kapitalübertrag.
Ein entscheidender Unterschied zum bisherigen System: Kunden können jederzeit zwischen einem steuerpflichtigen Auszahlplan oder einer lebenslangen Leibrente wählen. Damit wird das System auch für Menschen attraktiver, die mehr Flexibilität bei der Auszahlungsform wünschen.
Opt-out überflüssig?
Anders als manche Parteien, die ein verpflichtendes Vorsorgemodell mit Opt-out diskutieren, setzt das IVFP auf die Freiwilligkeit. „Durch die von uns unterbreiteten Reformvorschläge würde eine Produktgattung entstehen, die so attraktiv ist, dass es kein Opt-out braucht. Stattdessen könnte man von einem „Jump-in“-Effekt sprechen", heißt es im Papier. Sollte das Modell nicht die gewünschte Marktdurchdringung erzielen, könne man in zwei bis drei Jahren über weitere Maßnahmen nachdenken.
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