Gewerbeobjekt Ferienhaus: Gut vermietet, schlecht versichert
Immer mehr Eigentümer vermieten ihre Ferienimmobilien professionell – und nehmen dabei teils sechsstellige Mieteinnahmen ein. Doch die gewerblich genutzten Objekte sind oft schlecht versichert. Eine neue Studie von Hiscox zeigt, wo es bei Absicherung und Policenangeboten hakt – und wie der Versicherer nun reagieren will.

- Gewerbeobjekt Ferienhaus: Gut vermietet, schlecht versichert
- Technische Schutzmaßnahmen allein reichen nicht
Ferienwohnungen werden zunehmend mit dem Ziel gekauft, sie gewerblich zu vermieten – teils in mehreren Einheiten, mit professionellem Anspruch und beachtlicher Rendite. Das zeigt die Hiscox Ferienimmobilienumfrage 2025, für die Eigentümerinnen und Eigentümer aus Deutschland und Österreich befragt wurden. Sie nutzen ihre Objekte explizit gewerblich – und erzielen damit beachtliche Einnahmen:
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- 46 Prozent der Befragten generieren bis zu 300.000 Euro pro Jahr,
- weitere 9 Prozent überschreiten diese Grenze.
Parallel zur Professionalisierung steigt die Investitionsbereitschaft. Die Mehrheit (57 Prozent) besitzt eine einzige Ferienimmobilie, doch 40 Prozent halten zwei bis fünf Objekte; und drei Prozent sogar sechs oder mehr. Besonders beliebt sind Standorte im eigenen Land, also Deutschland oder Österreich. Im Ausland dominieren Spanien und Kroatien als Zielregionen.
Hochwertige Ausstattung, hoher Wert – und hohe Risiken
Die befragten Eigentümer investieren viel in Ausstattung und Komfort – nicht nur, um die Nachfrage zu steigern, sondern auch, weil die Immobilie selbst einen beträchtlichen Sachwert darstellt. Die Mehrheit (52 Prozent) besitzt ein Objekt mit 81 bis 120 m² Wohnfläche, 22 Prozent liegen darüber, drei Prozent sogar über 200 m².
Zur Ausstattung zählen häufig:
- (Whirl-)Pools oder Saunen (48 %),
- E-Ladestationen in Garagen (32 %),
- Fahrzeuge wie E-Roller oder Fahrräder (36 %),
- hochwertige Möbel (40 %),
- Designermöbel und Kunstobjekte (jeweils 27 %).
Auch technisch sind viele Ferienobjekte auf dem neuesten Stand: 43 Prozent der Eigentümer setzen auf hochwertige Unterhaltungselektronik wie Surround-Systeme oder Spielekonsolen, 39 Prozent nutzen Smart-Home-Systeme zur Steuerung von Licht, Heizung und Sicherheit. Fußbodenheizung, Kamin oder Klimaanlage gehören bei 61 Prozent der Befragten fast schon zum Standard.
Vermietet werden die Immobilien dabei überwiegend langfristig: 43 Prozent der Objekte sind bis zu einem halben Jahr belegt, 41 Prozent sogar länger. Und 16 Prozent werden sogar ganzjährig vermietet.
Absicherung oft lückenhaft – trotz Risikobewusstsein
Trotz dieses hohen Ausstattungsniveaus und der gewerblichen Nutzung zeigt die Umfrage: Viele Ferienimmobilien sind unzureichend versichert. Und das, obwohl die meisten Eigentümer bereits Erfahrung mit Schäden gemacht haben:
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- 87 Prozent berichten von mindestens einem Schaden,
- 44 Prozent nennen Mieter als Hauptursache – meist unbeabsichtigt (52 %),
- 20 Prozent erlitten Diebstahl,
- 18 Prozent wurden Opfer von Vandalismus.
Ergänzend kam es bei jeweils rund einem Drittel der Befragten zu Einbrüchen und Unwetterschäden. Besonders kritisch: In 67 Prozent der Fälle blieben die Eigentümer auf den Kosten sitzen:
- 38 Prozent hatten keinen passenden Versicherungsschutz oder die Leistung wurde verweigert,
- 30 Prozent trugen kleinere Schäden freiwillig selbst – oft aus Sorge vor Auseinandersetzungen mit Mietern oder wegen mangelnder Nachweisbarkeit.
Technische Schutzmaßnahmen allein reichen nicht
Viele Eigentümer reagieren auf ihre Schadenerfahrungen mit technischen Sicherheitslösungen. 60 Prozent setzen auf digitale Alarmanlagen, die sich per App überwachen lassen, 55 Prozent haben spezielle Brandmeldeanlagen installiert. Zudem nutzen 50 Prozent Sensoren an Türen und Fenstern, um aus der Ferne jederzeit kontrollieren zu können, ob alles ordnungsgemäß verschlossen ist.
Trotz dieser Schutzmaßnahmen bleibt eine zentrale Schwachstelle bestehen: Der technische Aufwand steht in keinem Verhältnis zur oft lückenhaften Versicherungslage. Zwar ist das Risikobewusstsein bei vielen Eigentümern durchaus ausgeprägt – doch es spiegelt sich nicht in einer entsprechend umfassenden Absicherung wider. Das zeigt sich besonders deutlich bei den tatsächlich abgeschlossenen Policenarten:
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- Hausratversicherung: Nur 46 Prozent der Befragten verfügen über eine Hausratversicherung, die Schäden an Einrichtung und Ausstattung abdeckt – obwohl viele Objekte mit hochwertigen oder sogar designorientierten Möbeln ausgestattet sind.
- Gebäudeversicherung: Eine Gebäudeversicherung, die etwa bei Feuer-, Leitungswasser- oder Sturmschäden greift, haben lediglich 42 Prozent abgeschlossen – und nicht immer ist der wichtige Elementarschutz vorhanden.
- Vermieterhaftpflicht: Am häufigsten vertreten ist noch die Vermieterhaftpflichtversicherung. Sie schützt etwa bei Stürzen auf glatten Terrassen oder unzureichend beleuchteten Wegen. Doch selbst hier liegt die Abschlussquote bei lediglich 47 Prozent.
- Ertragsausfallversicherung: Besonders auffällig ist die Diskrepanz bei der Absicherung von Mieteinnahmen: Zwar halten 59 Prozent der Befragten eine Ertragsausfallversicherung für wichtig – tatsächlich abgeschlossen haben sie aber nur 28 Prozent. Dabei kann ein längerer Mietausfall infolge von Reparaturen, Wasserschäden oder Unwetterereignissen massive finanzielle Folgen haben.
Standardbedingungen passen oft nicht zur Realität von Ferienobjekten
„Unsere Umfrage zeigt sehr klar auf: Sehr viele der gewerblich genutzten Ferienimmobilien sind unzureichend oder überhaupt nicht abgesichert“, erklärt Alica Weininger, Manager Underwriting Art & Private Clients bei Hiscox. Es fehle nicht nur am Wissen über notwendige Absicherungen – sondern auch an passenden Produkten, die speziell für den gewerblichen Kontext zugeschnitten sind. Ein häufiger Hinderungsgrund: Viele Policen setzen regelmäßige Vor-Ort-Anwesenheiten des Versicherungsnehmers voraus – ein Kriterium, das bei Ferienimmobilien kaum erfüllbar ist.
Basis der Analyse ist eine repräsentative Befragung von 500 Eigentümern gewerblich vermieteter Ferienimmobilien aus Deutschland und Österreich (näheres hierzu auf der Hiscox-Webseite). Als Reaktion auf diese Lücken hat Hiscox das neue Produkt „Mundial Commercial“ entwickelt. Die Police richtet sich gezielt an Privatpersonen sowie kleine Unternehmen, die Ferienobjekte ausschließlich zur Vermietung nutzen – und zwar in insgesamt 20 europäischen Ländern. Die Absicherung ist modular aufgebaut und soll gezielt dort greifen, wo klassische Versicherungen bislang aussteigen.
- Gewerbeobjekt Ferienhaus: Gut vermietet, schlecht versichert
- Technische Schutzmaßnahmen allein reichen nicht